Jazzpodium 6/7 2023



Jazzpodium




Rigobert Dittmann auf Bad Alchemy 121

DIE ENTTÄUSCHUNG Music Minus One (Two Nineteen Records 2-19-010): Diese Band des (Bass-)Klarinettenwizards Rudi Mahall und des Trumpet-Cracks Axel Dörner ist seit ihrem 1995 im Berliner Anorak mitgeschnittenen Debut ein konstant spritziger Hirnerfrischer. Jan Roder zupft den Bass seit „1“ (1996), Michael Griener hat bei „Lavaman“ (2017) im Quintett mit Christof Thewes den langjährigen Schlagmann Uli Jennessen abgelöst und mit „Monk's Casino“, 2021 realisiert mit, logisch, Alexander von Schlippenbach im Au Topsi Pohl, auch die legendäre Monkerei von 2003/04 geerbt. Minus One will wohl heißen, dass man hier wieder ohne Posaune oder Piano zu viert agiert. Dörner setzt selbstironisch v-effekthafte Akzente mit 'verlacht', 'versiebt', 'versägt', 'verpfuscht', 'vergeigt'. Griener verrät mit 'Soderla' und 'Etzadla', dass er aus Nürnberg stammt. Mahall, der als 2-jähriger ebenfalls mit dem 1. FCN nochmal Deutscher Fußball-Meister wurde, ist wieder mal unvorbereitet und mit faulen Ausreden aus Kyritz an der Knatter eingetrudelt: 'Ich stand im Stau', 'Ich hatte zu viel zu tun', 'Ich hatte den Kopf nicht frei', 'Ich bin noch nicht dazu gekommen', 'Da fang ich morgen mit an'. Vogelwild verpackt (von Katja Mahall) als buntes Allerlei und Biertreff, bei dem die Jazzpolizei vorfährt und Frankensteins Monster kurz mal aus Ingolstadt vorbeischaut. Und die Musik? Der gewohnt atemberaubende Bebop, pipapo aus den Ärmeln, den Gockelfedern geschüttelt, pfiffig gegen den Krawattenstrich und postjazzigen Leisetritt gepustet, gewitzt verwirbelt in 17 Demonstrationen, dass es sehr wohl deutschen Humor gibt. Cool aufgefrischt durch Sven-Åke Johanssons Rebop, Squakkologie, Tristan Honsingers Hopscotch-Spirit. Schnittig oder melodisch oder schnittig melodisch, quick und wendig oder hintersinnig, pfurztrocken lakonisch oder feinsinnig zirpend und quiekend zu Bogenstrich und Glockenspiel. Unisono abgezirkelt, kontrapunktisch verzahnt, was eben noch knackt und knuspert, wird sprudelig verquirlt, kecker als diese vier kann man nicht quäken, tröten, rappeln, zupfen. Dieser Jazz ist nach wie vor der quicklebendigste und kitzelt sakrisch funny in der Nase. [BA 121 rbd]

Bad Alchemy



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