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Die Enttäuschung, Music Minus One (Two Nineteen)

Quelques années après un Lavaman justement remarqué et alors que l’orchestre est revenu à la forme de quartet, Die Enttäuschung est de retour pour un nouvel album paru cet été. La formule est toujours la même, avec une ligne de soufflants réduite et la doublette rythmique européenne la plus excitante du moment ; Jan Roder à la contrebasse fait des miracles dans un morceau comme « Also » qu’il guide comme un chemin tortueux. À ses côtés, le batteur Michael Griener travaille ses cymbales comme une traînée de poudre qui s’enflamme quand il est besoin. On avait pu juger de leur complicité dans leur trio avec Céline Voccia ; il s’impose encore ici, avec d’autant plus de décontraction que le quartet est une ligue de vieux amis. La trompette d’Axel Därner est un constant accélérateur de particules ; quant à la clarinette basse de Rudi Mahall, elle détermine absolument le son et la couleur résolument colemanienne de ce pur produit berlinois.

Die Enttäuschung a une histoire ancienne, liée à une figure du jazz allemand, le pianiste Alexander von Schlippenbach. Le Monk’s Casino qui avait vu naître cet orchestre est même revenu sur le devant de la scène pour quelques concerts depuis 2021, et un live en témoigne par ailleurs. Ici, sans le piano, l’énergie et les racines sont les mêmes. « Versiebt » offre un beau dialogue entre la trompette et la clarinette sans que la batterie soit en reste : le propos du quartet est versatile et particulièrement vivace, sans jamais choisir les chemins éculés où les clins d’œil faciles. Certes, la musique de Die Enttäuschung est référentielle et se range derrière une esthétique assez balisée, mais le lyrisme teinté d’acide de « °F », forcément bouillonnant, permet d’élargir grandement le spectre. L’archet de Roder, serpent des profondeurs, sert de trame à un échange puissant entre Dörner et Mahall. On est conquis.

Die Enttäuschung est une machine bien huilée. « Verpfuscht », en dépit de son départ tout en brisures abstraites, permet à chacun des membres du quartet de s’offrir un moment soliste sans délaisser l’unisson. On a le sentiment, à l’écoute de Music Minus One, que cette musique extrêmement fluide est une déclaration d’amour au jeu, à une liberté qui n’a pas besoin d’outrance pour s’affirmer. Un charme sans ostentation qui s’inscrit dans la durée et la tradition. Ce quartet donne des rendez-vous réguliers qui ne déçoivent jamais.



Einige Jahre nach dem zu Recht gelobten Lavaman und nachdem das Orchester wieder zur Quartettform zurückgekehrt ist, ist Die Enttäuschung mit einem neuen Album zurückgekehrt, das diesen Sommer erschienen ist. Die Formel ist immer noch die gleiche, mit einer reduzierten Bläserreihe und dem derzeit aufregendsten europäischen Rhythmusdoppel; Jan Roder am Kontrabass wirkt Wunder in einem Stück wie "Also", das er wie einen verschlungenen Pfad führt. An seiner Seite bearbeitet der Schlagzeuger Michael Griener seine Becken wie ein Pulverfass, das sich bei Bedarf entz¨ndet. Man konnte ihre Komplizenschaft in ihrem Trio mit Céline Voccia beurteilen; er setzt sich auch hier durch, mit umso mehr Lockerheit, als das Quartett eine Liga von alten Freunden ist. Axel Dörners Trompete ist ein ständiger Teilchenbeschleuniger; und Rudi Mahalls Bassklarinette bestimmt absolut den Klang und die ausgesprochen colemanianische Farbe dieses reinen Berliner Produkts.

Die Enttäuschung hat eine alte Geschichte, die mit einer Figur des deutschen Jazz, dem Pianisten Alexander von Schlippenbach, verbunden ist. Das Monk's Casino, in dem dieses Orchester einst entstand, ist seit 2021 sogar für einige Konzerte wieder ins Rampenlicht ger¨ckt, wovon im übrigen auch ein Live-Auftritt zeugt. Hier, ohne das Klavier, sind die Energie und die Wurzeln die gleichen. "Versiebt" bietet einen sch&oum;nen Dialog zwischen Trompete und Klarinette, ohne dass das Schlagzeug zu kurz kommt: Die Aussage des Quartetts ist vielseitig und besonders lebhaft, ohne jemals abgedroschene Wege oder einfache Augenzwinkern zu wählen. Die Musik von Die Entt¨uschung ist referenziell und folgt einer bestimmten Ästhetik, aber der säurehaltige Lyrismus von "°F", der zwangsläufig brodelnd ist, erweitert das Spektrum erheblich. Roders Bogen, eine Schlange aus der Tiefe, bildet den Rahmen für einen kraftvollen Austausch zwischen Dörner und Mahall. Wir sind erobert.

e Enttäuschung ist eine gut geölte Maschine. "Verpfuscht", trotz seines abstrakten Auftakts, bietet jedem Mitglied des Quartetts einen solistischen Moment, ohne das Unisono zu vernachlässigen. Wenn man Music Minus One hört, hat man das Gefühl, dass diese extrem flüssige Musik eine Liebeserklärung an das Spiel ist, an eine Freiheit, die keine Übertreibung braucht, um sich zu behaupten. Ein Charme ohne Protz, der sich in Dauer und Tradition einfügt. Dieses Quartett gibt regelmäßige Termine, die nie enttäuschen.


par Franpi Barriaux // 7.Januar 2024



Nowhere Street, My favorite Albums of 2023, part 1

Die Enttäuschung, Music Minus One (Two Nineteen)

This unexpected recording from what’s arguably been one of the top two or three post-bop bands over the last couple of decades served as a reminder to take stock in what’s around and often taken for granted. Die Enttäuschung—the quartet of trumpeter Axel Dörner, bass clarinetist Rudi Mahall, bassist Jan Roder, and drummer Michael Griener—hasn’t really changed its general approach ever, but it has continued to inject sustainability, style, and inspiration within a loosey-goosey, fiercely swinging sound in a way that’s proven endlessly renewable. A new batch of 17 pithy originals that hit all of the right pleasure spots, tackled with a mixture of rhythmic buoyancy, melodic generosity, and elastic interplay, Music Minus One is also one of those records I need once in a while to remind me of the most basic joys of jazz and improvised music, an ethos that first pulled me in four decades ago and hasn’t let go


by Peter Margasak


Jazzpodium 6/7 2023



Jazzpodium




Rigobert Dittmann auf Bad Alchemy 121

DIE ENTTÄUSCHUNG Music Minus One (Two Nineteen Records 2-19-010): Diese Band des (Bass-)Klarinettenwizards Rudi Mahall und des Trumpet-Cracks Axel Dörner ist seit ihrem 1995 im Berliner Anorak mitgeschnittenen Debut ein konstant spritziger Hirnerfrischer. Jan Roder zupft den Bass seit „1“ (1996), Michael Griener hat bei „Lavaman“ (2017) im Quintett mit Christof Thewes den langjährigen Schlagmann Uli Jennessen abgelöst und mit „Monk's Casino“, 2021 realisiert mit, logisch, Alexander von Schlippenbach im Au Topsi Pohl, auch die legendäre Monkerei von 2003/04 geerbt. Minus One will wohl heißen, dass man hier wieder ohne Posaune oder Piano zu viert agiert. Dörner setzt selbstironisch v-effekthafte Akzente mit 'verlacht', 'versiebt', 'versägt', 'verpfuscht', 'vergeigt'. Griener verrät mit 'Soderla' und 'Etzadla', dass er aus Nürnberg stammt. Mahall, der als 2-jähriger ebenfalls mit dem 1. FCN nochmal Deutscher Fußball-Meister wurde, ist wieder mal unvorbereitet und mit faulen Ausreden aus Kyritz an der Knatter eingetrudelt: 'Ich stand im Stau', 'Ich hatte zu viel zu tun', 'Ich hatte den Kopf nicht frei', 'Ich bin noch nicht dazu gekommen', 'Da fang ich morgen mit an'. Vogelwild verpackt (von Katja Mahall) als buntes Allerlei und Biertreff, bei dem die Jazzpolizei vorfährt und Frankensteins Monster kurz mal aus Ingolstadt vorbeischaut. Und die Musik? Der gewohnt atemberaubende Bebop, pipapo aus den Ärmeln, den Gockelfedern geschüttelt, pfiffig gegen den Krawattenstrich und postjazzigen Leisetritt gepustet, gewitzt verwirbelt in 17 Demonstrationen, dass es sehr wohl deutschen Humor gibt. Cool aufgefrischt durch Sven-Åke Johanssons Rebop, Squakkologie, Tristan Honsingers Hopscotch-Spirit. Schnittig oder melodisch oder schnittig melodisch, quick und wendig oder hintersinnig, pfurztrocken lakonisch oder feinsinnig zirpend und quiekend zu Bogenstrich und Glockenspiel. Unisono abgezirkelt, kontrapunktisch verzahnt, was eben noch knackt und knuspert, wird sprudelig verquirlt, kecker als diese vier kann man nicht quäken, tröten, rappeln, zupfen. Dieser Jazz ist nach wie vor der quicklebendigste und kitzelt sakrisch funny in der Nase. [BA 121 rbd]

Bad Alchemy



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